Anregungen zum Umdenken

Zitate Rudolf Steiners zur Naturerkenntnis


Die Welt ist das Rätsel, der Mensch ist die Lösung

"Wenn wir hinausblicken in die Weiten des Universums, sie werden uns räumlich und zeitlich zu einer großen Welträtselfrage. Wo ist die Antwort? Wer ... [in der Anthroposophie] die Antwort sucht, der findet sie nicht in einem Satz, auch nicht in einer Theorie, sondern er findet sie, indem ... [hingewiesen wird] auf die Tatsache, dass aus Raumesweiten und Zeitenläufen rätselhaft etwas zusammengedrängt ist in dem Menschen selbst. Das Universum gibt uns die Rätselfrage, im Menschen liegt die Antwort. … Wir werden nichts anderes tun können, als dem Menschen die Aufforderung zu geben: Mensch, erkenne dich selber, denn in dem Grade, als du immer tiefer und tiefer in dich hineinschaust, wirst du auch immer tiefer und tiefer die Antwort finden auf die Rätsel, die dir die Raumesweiten und Zeitenfernen geben. Indem nicht auf einen Satz, nicht auf eine Theorie oder auf eine Wissenschaft hingewiesen wird, sondern auf das Leben selbst und gesagt wird: Die Antwort liegt darin, dass du in dich schaust, - ist die Möglichkeit der Antwort eröffnet, und zwar in dem Maße, wie wir unsere erwachenden Gedanken und Gefühle in die Zukunft hineinsenden werden. … Alles wird an der richtigen Ergreifung der Welträtselfrage liegen, dass man nicht nur die Antworten, sondern schon die Fragen in der richtigen Weise findet. Dann aber muss die Antwort nicht erdacht, sondern erlebt sein. Und das Leben selbst ist ein Unendliches." (Rudolf Steiner, 15.4.1918)

 

"Das menschliche Innere ist das Innere der Natur."

 

"Die sinnliche Wahrnehmung schaltet alles Nichtsinnliche von den Dingen aus. Die Dinge werden durch sie alles dessen entkleidet, was an ihnen nicht-sinnlich ist. Schreite ich dann zu dem geistigen, dem ideellen Inhalt fort, so stelle ich nur dasjenige wieder her, was die sinnliche Wahrnehmung an den Dingen ausgelöscht hat. Somit zeigt mir die sinnliche Wahrnehmung nicht das tiefste Wesen der Dinge; sie trennt mich vielmehr von diesem Wesen. Die geistige, ideelle Erfassung verbindet mich aber wieder mit diesem Wesen. Sie zeigt mir, dass die Dinge in ihrem Innern genau von demselben geistigen Wesen sind, wie ich selbst. Die Grenze zwischen mir und der Außenwelt fällt durch die geistige Erfassung der Welt dahin." (Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung. Dornach 1960, S. 43.) 


„Nur wenn ich auf etwas stoße, das nicht über sich hinausweist, dann erlange ich das Bewusstsein: jetzt stehst du innerhalb des Zentrums; hier kannst du stehen bleiben. Mein Bewusstsein, dass ich innerhalb eines Dinges stehe, ist nur die Folge von der objektiven Beschaffenheit dieses Dinges, dass es sein Prinzip mit sich bringe. Wir gelangen, indem wir uns der Idee bemächtigen, in den Kern der Welt. Was wir hier erfassen, ist dasjenige, aus dem alles hervorgeht. Wir werden mit diesem Prinzipe eine Einheit; deshalb erscheint uns die Idee, die das Objektivste ist, zugleich als das Subjektivste.“ (Aus: Einleitungen zu Goethes naturwissenschaftlichen Schriften. Dornach 1987, S. 163.)

 

"Das sinnenfällige Weltbild ist die Summe sich metamorphosierender Wahrnehmungs-inhalte ohne eine zugrundeliegende Materie."

 

„Es wird im Kosmos überhaupt nichts betrachtet, ohne dass man gleichzeitig den Menschen darinnen hat. Es bekommt alles nur dadurch Sinn und zu gleicher Zeit Erkenntnisboden, dass man es in bezug auf den Menschen betrachtet. Nirgends wird der Mensch ausgeschlossen. Die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft führt unsere Weltbetrachtung wiederum zu einer Betrachtung des menschlichen Wesens zurück.“ (15.2.1921, GA 338)

 

"So, wie man von einer äußeren naturwissenschaftlichen Wissenschaft über die Außenseite der Welt spricht, so kann man [durch Geistesforschung] über die Innenseite der Welt sprechen."

 

"Wenn es dem Menschen wirklich gelingt, sich zu der Idee zu erheben, und von der Idee aus die Einzelheiten der Wahrnehmung zu begreifen, so vollbringt er dasselbe, was die Natur vollbringt, indem sie ihre Geschöpfe aus dem geheimnisvollen Ganzen hervorgehen lässt. Solange der Mensch das Wirken und Schaffen der Idee nicht fühlt, bleibt sein Denken von der lebendigen Natur abgesondert. Er muss das Denken als eine bloß subjektive Tätigkeit ansehen, die ein abstraktes Bild von der Natur entwerfen kann. Sobald er aber fühlt, wie die Idee in seinem Innern lebt und tätig ist, betrachtet er sich und die Natur als ein Ganzes, und was als Subjektives in seinem Innern erscheint, das gilt ihm zugleich als objektiv; er weiß, dass er der Natur nicht mehr als Fremder gegenübersteht, sondern er fühlt sich verwachsen mit dem Ganzen derselben. Das Subjektive ist objektiv geworden; das Objektive von dem Geiste ganz durchdrungen." (Aus: Goethes Weltanschauung. Dornach 1990, S. 54)